Dinner-Theater

Geschichte | Dinner-Theater heute

Entstehungsgeschichte

Anfang der 1980er Jahre entwickelte sich in Deutschland eine Variante des Varietés, das Dinner-Theater. Wie im Varieté ist die Mehrfachbefriedigung des Publikums durch Gastronomie, Musik, Artistik, Tanz und Comedy das Grundelement dieser Spielart. Die Unterschiede zum Varieté ergeben sich bei dieser Kunstform durch die Spielstätte und die Rolle der Gastronomie.
Im Gegensatz zum Varieté ist das Dinner-Theater nicht in einem festen Haus mit Bühne untergebracht, sondern findet in einem historischen Spiegelzelt aus den zwanziger Jahren oder einem Nachbau statt. In der Regel existieren in einem Dinner-Theater zwei Bühnen, eine zentrale Mittelbühne im Zuschauerraum für die artistischen Darbietungen und eine Seitenbühne für die Livemusik und einzelne Darbietungen, die auf eine Frontalbühne angewiesen sind.
Anders als im Varieté, dessen Eintrittspreis lediglich die Show abdeckt, ist in einem Dinner-Theater das Essen fester Bestandteil des Abends. Das Servieren des Menüs, in der Regel von einem bekannten Koch zusammengestellt, gehört zur Dramaturgie. Die Showelemente fügen sich immer wieder zwischen die einzelnen Gänge, sodass sich Unterhaltung und Gastronomie zu einer Einheit verbinden: Der Fokus im Dinner-Theater verschiebt sich zugunsten der Gastronomie, wie es im Varieté Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich üblich war.
Das erste Dinner-Theater entstand unter dem Schweizer Zirkusdirektor Ueli Hirzel zu Beginn der 1980er Jahre. In den 1990er Jahren folgte dann der Zirkusdirektor Bernhard Paul mit seinem Spiegelzelt Panem et Circensem zusammen mit den namenhaften Köchen Alfons Schuhbeck und Hans-Peter Wodarz. Im Zuge von Pauls Erfolg entstanden in vielen weiteren Städten Dinner-Theater.

Dinner-Theater heute

© Palazzo

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Die Dinner-Theater sind eine Spielart des Varietés, die sich erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte. Ein besonderes Merkmal der Dinner-Theater ist ihr saisonaler Spielbetrieb. Bis auf einzelne Ausnahmen spielen die Dinner-Theater nur temporär in der Wintersaison und die Aufführungen finden klassischerweise in einem Spiegelzelt statt. In Deutschland gibt es in der Zeit zwischen Oktober und März ca. zehn bis zwölf Dinner-Theater. Diese stehen in der Regel in einem engen Zusammenhang mit anderen Unternehmen der Zirkuslandschaft. Sie können rechtlich eigenständige Unternehmen sein, die aber wirtschaftlich an einen größeren Betrieb (Mutterorganisation) angebunden sind. So ist beispielsweise Panem et Circenses an den Circus Roncalli angeschlossen; das Dinner-Theater Gans Ganz anders gehört zum Krystallpalast Varieté in Leipzig. Die Unternehmen nutzen das Saisongeschäft der Dinner-Theater, indem sie zusätzlich zum normalen Spielbetrieb ein Spiegelzelt betreiben. Dabei greift die Produktion der Dinner-Theater auf die Struktur der Mutterorganisation zurück. Die Palazzo Produktionen GmbH ist in Deutschland mit insgesamt fünf Spiegelzelten das größte Unternehmen im Bereich der Dinner-Theater. In der Regel finden während der Spielzeit pro Woche zwischen fünf und sechs Vorstellungen statt.

Die Produktionen der Dinner-Theater ähneln in vielerlei Hinsicht denen des Varietés. Auch hier besteht eine Produktion aus einzelnen Nummern, die durch einen oder mehrere Moderatoren zu einer Gesamtinszenierung verbunden werden. Die Moderation kann hierbei auch durch das Erzählen einer Geschichte die Darbietungen der Artisten in einen Gesamtkontext einbetten. Die Besonderheit im Vergleich zu den Varietés besteht in der hervorgehobenen Rolle des Essens in der Gesamtinszenierung.

© Palazzo

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Die Saisonstruktur der Dinner-Theater ist mit einem hohen Organisationsaufwand verbunden. Anders als in festen Varietéhäusern muss das Zelt jedes Jahr erneut aufgebaut werden und die gesamte Infrastruktur für den gehobenen gastronomischen Service installiert werden. Von Beginn an sind die Dinner-Theater als privatwirtschaftliche Betriebe, die keine staatliche Förderung erhalten, mit enormen Kosten für eine Produktion belastet. Das Anmieten des Platzes, des Zeltes und der Küche, ein hoher Bedarf an Servicekräften und nicht zuletzt die Bezahlung der Künstler ist erst ab einer hohen Auslastung wirtschaftlich. Die Gewinnschwelle, also der Punkt, ab dem das Unternehmen einen Gewinn erwirtschaftet, liegt bei den Dinner-Theatern auffällig hoch; der Betrieb der Spielstätte ist mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden.

 

© Palazzo

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Dinner-Theater in Deutschland:

Name Ort Webseite
Aloha He Leipzig www.aloha-he.com
Dinner For Fun Berlin www.dinnerforfun.net
Gans Ganz Anders Leipzig www.gansganzanders.de
Madi Zelt der Sinne Berlin www.madi-zelt.de
Palazzo Berlin Berlin www.palazzo.org/berlin
Palazzo Hamburg Hamburg www.palazzo.org/hamburg
Palazzo Mannheim Mannheim www.palazzovariete.de
Palazzo Nürnberg Nürnberg www.palazzo.org/nuernberg
Palazzo Stuttgart Stuttgart www.palazzo.org/stuttgart
Schuhbecks Teatro München www.teatro.de/home
Stars und Emotionen Jena www.dinnershow-jena.de

 

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