Newcomershow im Krystallpalast Leipzig

Zehn Fragen an Urs Jäckle

Urs Jäckle © Erika Schmidt

 

Wer bist du, was machst du, was ist dein Werdegang?
Seit 2001 bin ich Künstlerischer Leiter des Krystallpalast Varietés in Leipzig und entwickle hier drei bis vier Showproduktionen pro Jahr. Mit unterschiedlicher Gewichtung umfasst diese Arbeit Konzeption, Casting, Produktionsleitung und Regie. Seit meiner Kindheit habe ich mich mit Zirkus und Varieté beschäftigt, im Jugendzirkusbereich unterrichtet und später Kulturwissenschaften und Regie in Paris und Leipzig studiert. Dazu kamen im Laufe der Jahre Kooperationen mit externen Showproduzenten wie dem Cirque Medrano in Frankreich, Billy Smart’s Circus in England und in Deutschland das Varietéspektakel in Köln/Bonn und die Kulturbörse in Freiburg.

Was ist die Newcomershow?
Ein Abend mit 12-14 Artistiknummern aus Traditionellem und Neuem Zirkus, die zum ersten Mal in einem deutschen Varieté auftreten. Sie spielen an vier Tagen vor einem Fachpublikum aus Varietédirektoren, Agenten, Künstlerischen Leitern und regulären Zuschauern. Die letzte Aufführung ist ein Wettbewerb vor einer Fachjury mit anschließender Preisverleihung und einem Meet-and-Greet der Künstler und Varietéleute. Da werden dann die Kontakte untereinander gemacht.

Warum hast du die Newcomershow ins Leben gerufen?
Bevor ich mit jemandem zusammenarbeite, möchte ich seine Arbeit erstmal live sehen. Denn Videos sind als erster Eindruck okay, mehr aber auch nicht. Auditions sagen wenig über das Spiel mit dem Publikum aus. Mit der Newcomershow wollte ich daher eine Plattform für Varietés schaffen, um den direkten Austausch zwischen Bookern und Artisten zu ermöglichen. Auf diese Art erleben wir die Acts unter realen Bedingungen, sie lernen unser Haus kennen und werden auf einen Schlag von der ganzen Szene gesehen.

Newcomershow 2014 © Tom Schulze

Newcomershow 2014 © Tom Schulze

Was unterscheidet die Newcomershow von anderen Festivals?
Der größte Unterschied ist: es gibt keine Altersbegrenzung. Jeder, der noch nicht in einem deutschen Varieté gespielt hat, kann sich bewerben. Außerdem kriegen die Künstler – anders als in Paris oder Monte Carlo – auf Nachfrage auch Feedback zu den Entscheidungen der Jury, weil ich unsere Aufgabe auch in der Weiterentwicklung der Künstler sehe. Der Unterschied zu Festivals wie Circa, Circolo oder Tollwood ist natürlich, dass hier nicht ganze Shows gespielt werden, sondern in sich geschlossene Nummern, die hier zwar noch unbekannt sind, aber in ihrer Qualität sofort in einem professionellen Rahmen arbeiten können.

Welche Preise werden bei euch ausgeschrieben?
Das variiert manchmal von Jahr zu Jahr, normalerweise sind das aber eine ganze Reihe von Preisen – in der Regel verbunden mit einem Engagement im jeweiligen Haus:

©Erika Schmidt

Backstage © Erika Schmidt

Jurypreis des Krystallpalast Varietés, Leipzig
Sonderpreis der GOP-Entertainment Group
Sonderpreis Wintergarten Varieté, Berlin
Sonderpreis der Palazzo Dinnershows
Sonderpreis des Roncalli’s Apollo Varieté, Düsseldorf
Sonderpreis des Varieté et cetera, Bochum
Sonderpreis des Starclub Varieté Kassel
Sonderpreis des Festungsvarietés, Koblenz
Publikumspreis

Nach welchen Artisten sucht ihr?
Wenn das Handwerk stimmt, sollte man vor allem etwas machen, was kein anderer zeigt – ist natürlich leicht gesagt und schwer zu finden. In manchen Genres gibt es aber inzwischen so viele ähnliche Nummern, dass man eine eigene, unverwechselbare Handschrift braucht. Das kann ein eigener Auftritts-Stil sein, ein seltenes Requisit, ein ungewöhnliches Trick-Repertoire. Ein Unterscheidungsmerkmal eben, das dich von der Masse abhebt.

Wer sucht die Artisten aus, die es in das Festival schaffen und nach welchen Kriterien?
Die Sichtung der ungefähr 200 Bewerbungen mache ich zusammen mit einer Auswahlkommission von vier Fachleuten, die von der Qualität der Videos abstrahieren können und versuchen, die Nummern einzuschätzen. Oft sind es ja auch verwackelte Aufnahmen aus Turnhallen, die man so nicht veröffentlichen würde. Die Kriterien Technik, Präsentation und Originalität sind gleich wie bei den meisten anderen Festivals, nur die Auslegung ist dann eben eine eigene.

Wer kann nicht bei der Newcomershow auftreten?
Da wir die Show als Türöffner in den Varietémarkt sehen: Alle, die schon einmal einen regulären Vertrag in einem deutschen Varieté hatten.

© Tom Schuze

© Tom Schulze

Wann ist die Bewerbungs-Deadline für das nächste Festival und wann ist das nächste Festival?
Bewerbungsschluss ist der 21. April 2015, die Show findet dann vom 2.-5. Juli 2015 statt.

Wer ist Ansprechpartner für Fragen?
Die wichtigsten Informationen, Bewerbungsformulare und Technikrider findet man auf www.newcomershow.net. Man kann sich auch gerne an die Kontaktperson für Bewerber wenden, Carolin Hempel: c.hempel@krystallpalastvariete.de.