Kulturförderung von Ländern und Kommunen

Kultur ist in Deutschland föderal organisiert. Das heißt: die Länder und Kommunen sind die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um kulturelle Fragen geht. Sie sind auch die größten Kulturförderer und tragen mit 4,1 Milliarden (Kommunen) und 3,8 Milliarden (Länder) Euro den größten Anteil der staatlichen Kulturausgaben.

Nicht nur finanziell sondern auch inhaltlich sind die Länder und Kommunen für den größten Bereich der kulturellen Einrichtungen und Projekte zuständig. Anders als die EU, die sich auf die Förderung transnationaler Kulturprojekte oder der Bund, der sich auf die Förderung von Kulturprojekten von nationaler Bedeutung spezialisiert hat, haben Sie einen breiten Kulturauftrag. Umgedreht könnte man auch sagen: bis auf wenige Ausnahmen sind ausschließlich die Länder und Kommunen für die Kulturförderung zuständig und damit die ersten Ansprechpartner für Kunst- und Kulturschaffende.

Diese Breite macht es schwer zu beschreiben, welche Einrichtungen und Projekte an welcher Stelle gefördert werden. Föderalismus bedeutet auch, dass jede einzelne Stadt und jedes Bundesland selbst entscheiden kann, wie und vor allem was sie im Bereich der Kultur fördert. Aus diesem Grund stimmt der in der Zirkusszene beliebte Satz, „Zirkus wird in Deutschland nicht als Kunst anerkannt“, so nicht. Jede einzelne Kommune entscheiden ganz alleine, ob sie Zirkusprojekte Fördert oder nicht.

Was bedeutet das für den Zirkus?

In den meisten Förderrichtlinien in den verschiedenen Städten, Gemeinden und Bundesländern ist Zirkus nicht explizit aufgeführt. Grundsätzlich sollte man sich davon aber nicht abhalten lassen.
Oftmals wurde ganz einfach noch nie einen Antrag aus dem Zirkusbereich gestellt und daher taucht Zirkus in den Richtlinien nicht auf. Grundsätzlich stehen die meisten, mit denen wir gesprochen haben, dem Zirkus aber offen gegenüber.

Das heißt also, auch wenn Zirkus nicht in euren Städten oder Bundesländern ausgeschrieben ist, macht es Sinn sich für Kulturförderung zu bewerben. Bei der Antragstellung gibt es ein paar Grundregeln, die Ihr unbedingt beachten solltet:

Einzelpersonen haben es schwer!
Bei den meisten Fördertöpfen können sich nur Körperschaften, also Vereine oder GmbHs usw. Für eine Kulturförderung bewerben. Ausnahme ist in vielen Kommunen die Einzelkünstlerförderung oder in der Regel auch die verschiedenen Residenzprogramme.

Gemeinnützigkeit ist immer besser!
Bei dem Großteil der Kulturförderung ist die Gemeinnützigkeit eine wichtige Grundlage, um sich überhaupt bewerben zu können. Gemeinnützigkeit wird dabei oft mit Ehrenamtlichkeit verwechselt, was nicht der Fall ist. Auch in gemeinnützigen Organisationen können Gehälter ausgezahlt werden. Der größte Unterschied ist neben einigen anderen, dass über dem regulären Gehalt der Mitarbeiter die Gewinne nicht an die Eigentümer ausgeschüttet werden dürfen sondern für den gemeinnützigen Zweck ausgegeben werden müssen.

Regional ist erste Wahl!
Kulturförderung ist meist regional begrenzt. Heißt im Kern: Es macht keinen Sinn macht sich in Köln für eine Projektförderung zu bewerben, wenn die Aufführung in Potsdam statt finden soll. Natürlich gibt es dabei immer Ausnahmen aber in der Regel geht es den Ländern und Kommunen natürlich darum, Projekte in der eigenen Stadt oder Region zu fördern. Wenn dabei auch noch ein Bezug zur Stadt hergestellt werden kann, umso besser.

Wer lesen kann ist klar im Vorteil!
Jede Art von Kulturförderung hat ein bestimmtes Ziel oder eine bestimmte Ausrichtung. Gefördert werden mal Kulturprojekte mit einem bestimmten regionalen Bezug, mal ist es Kultur für eine Bestimmte Zielgruppe (Kinder, Migranten, …) und mal soll Kunst und Kultur politisch bilden oder sich mit einem bestimmten Thema beschäftigen. Es macht also Sinn die Ausschreibungen ganz genau zu lesen und im Antrag deutlich zu machen warum das eigene Projekt oder die eigene Organisation/Einrichtung ganz besonders für diese Ausschreibung passt. Oft ist dabei etwas Kreativität gefordert.