Facebook: „Dos and Don’ts“

Von Steffi Haberl

„Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“ So die Definition von Freundschaft auf Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Freundschaft – 06.05.2015).

Facebook definiert Begriff der Freundschaft neu
Es ist unbestritten, dass Facebook den Begriff von Freundschaft neu definiert. Was früher noch undenkbar war, nämlich mit seinem Chef, Arbeitskollegen, der Lehrerin seiner Kinder, seinem Friseur, Banker oder Versicherungsvertreter „befreundet“ zu sein, ist durch Facebook in der digitalen Welt plötzlich möglich und sogar salonfähig. Frank und frei werden Hochzeits-, Familien-, Partybilder, Selfies vom Arztbesuch mit vermeintlichen Freunden geteilt und die momentane Gefühlslage in alle Welt gepostet.

Privates vs. Berufliches
Während man früher darauf erpicht war, Privates und Berufliches strikt zu trennen, ist zu beobachten, dass sich im Zeitalter der Dauerereichbarkeit durch Handys und die sozialen Netzwerke, diese beiden Komponenten immer mehr vermischen.
Die Vermengung von Privatem und Beruflichem ist auch ein Phänomen, das man häufig bei Menschen beobachtet, die in der Öffentlichkeit stehen sowie kreative Berufe ausüben und so ist dies auch in der Zirkus- und Varietéwelt wahrnehmbar. Über die Gründe kann nur spekuliert werden: Es mag darin begründet sein, dass Kreative ein besonderes Interesse auf sich ziehen, da sie durch ihr Können und ihre schöpferische Kraft in der Außenwirkung einmalig sind. Zudem ist es wohl auch darauf zurückzuführen, dass Künstler aufgrund ihrer Lebensumstände (bspw. das viele Reisen, immer neue Begegnungen, die örtliche Distanz zu Familie & Freunden etc.) offener kommunizieren und dadurch auch eher dazu neigen, Privates öffentlich zu teilen.
Ein weiterer Umstand, der erklärt, warum sich Privates und Berufliches oft vermischt, ist wohl, dass für Künstler der Beruf zugleich Berufung ist, die es ermöglicht, das Unmögliche zu schaffen, Ängste und körperliche Grenzen zu überwinden, Rückschläge zu verkraften, Opfer zu bringen, mit dem Ziel Menschen von der Bühne aus zu begeistern. Gerade in den besten Performances steckt doch meist so viel Persönliches.

Definition der eigenen Facebook-Nutzung
Nun stellt sich die Frage, was diese Ausführungen nun mit den „Dos and Don’ts“ auf Facebook zu tun haben? Ganz einfach, ich möchte mit diesem Artikel dazu anregen, für sich zu definieren, wie man Facebook in erster Linie nutzen möchte und sich bewusst zu machen, welche Inhalte mit wem geteilt werden sollen oder eben nicht. Es geht vor allem auch um eine Bewusst-Werdung der eigenen Außenwirkung durch das Medium Facebook. Wenn Agenten, Veranstalter, Regisseure und Kreative als Freunde hinzugefügt bzw. deren Freundschaftsanfragen akzeptiert werden, dann ist das eben nicht mehr nur privat, dann wird das Facebook-Profil zugleich auch zu einem Bewerberprofil.
Dies sollte nun nicht zur Konsequenz haben, alle Veranstalter, Agenten etc. aus der Freundesliste zu löschen, denn Facebook ist mittlerweile in der Zirkuswelt ein wichtiges Medium, um vernetzt zu sein und ist zudem Jobbörse, Informationsquelle und Werbemittel zugleich. Aus diesem Grund sind im Folgenden einige „Dos and Don’ts“ als Empfehlung für einen bewussteren und verantwortungsvollen Umgang mit Facebook gelistet.

„Dos“: Was sollte man tun?

      • Privat oder beruflich: Man sollte für sich klären, wie und wozu man Facebook in erster Linie nutzen möchte, ob eher privat, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben oder beruflich. Evtl. bietet es sich an, zwei Facebook-Profile oder eine Fanseite anzulegen.
      •  Ratsam ist eine Auseinandersetzung mit Privatsphäre-Einstellungen: Was möchte ich mit wem teilen? Welche Inhalte dürfen alle sehen, welche nur Familie und enge Freunde? Was dürfen andere von mir posten bzw. was möchte ich vorab freigeben (Stichwort: Markierungen)?
      • Facebook ist wie eine digitale Visitenkarte anzusehen, entsprechend sollte man die Inhalte pflegen und Daten (Telefon, E-Mail, Historie der Engagements …) aktuell halten.
      •  Eine Grundregel: Man sollte sich und andere auf Facebook immer positiv darstellen.
      • Eine weitere Grundregel: was immer man postet, kommt auf die eigene Person zurück.
      • Posten von Bildern: unbedingt Bildrechte klären.
      • Bei Posts, Bildern etc. auf Qualität achten.
      • Beim Posten von Fotos und Videos die Privatsphäre der Kollegen wahren. Einige Künstler nutzen ihr Facebook-Account nur professionell und sind nicht glücklich darüber, wenn private Momente geteilt werden.
      • Gut überdenken, was man „liked“: Kontroverse, beleidigende und kritische Posts gegenüber Kollegen und Veranstaltern sollte man mit Bedacht liken und sich der Außenwirkung immer bewusst sein.
      • Beim Teilen von Posts, Videos etc. ist es empfehlenswert einen persönlichen Satz hinzuzufügen, um die Relevanz des Posts zu verdeutlichen, ansonsten können sich Posts schnell verlieren.
      • Facebook-Seiten von Shows, Veranstaltern und zirkus-relevanten Organisationen liken, um up-to-date zu sein, oftmals gibt es darüber Casting-Aufrufe bzw. wichtige Informationen.
      • Nur relevante „Freunde“ hinzufügen bzw. wichtige Seiten liken und abonnieren, ansonsten wird die Neuigkeiten-Seite schnell unübersichtlich. Bei Tausenden von Freunden verliert man dann doch schnell den Überblick.
      • Wenn Facebook-Freunde zu Veranstaltungen über die „Einlade-Funktion“ hinzugefügt werden, kurz vorab in einem Post darüber informieren, was es damit auf sich hat und welchen Bezug ihr dazu habt, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Einladung angenommen wird.
      • Profilbild wählen, auf dem das Gesicht gut erkennbar ist. Erleichtert die Wiedererkennung im realen Leben.
      • Ein jeder von uns hat seine Geschichte. Die Frage stellt sich, was davon möchte ich der Welt preisgeben. Durch Posts definiert man sich und seine Person, unwillkürlich werden Menschen, die einem nicht nahe stehen, einen darauf reduzieren, denn Posts können einen „bleibenden Eindruck“ hinterlassen. Da Facebook nicht vergisst, kann dies zur Konsequenz haben, dass man immer wieder mit seiner Vergangenheit durch Fremde konfrontiert wird, ob man will oder nicht, ob man dann damit abgeschlossen hat oder nicht, dessen sollte man sich bewusst sein. Auch sollte man wirkliche Hilfe nicht in der digitalen Welt suchen, sondern diese unbedingt im realen Leben in Anspruch nehmen.
      • Mit Erfolg postet es sich leicht. Achtsam sein und sich bei den Menschen, die einem wichtig sind, melden, von denen man über Facebook schon länger nichts mehr gelesen hat, obwohl sie früher sehr aktiv waren. Wer weiß, was dahinter steckt …
      • Eine gewisse Sensibilität für die versteckten Hilferufe auf Facebook entwickeln. Eine persönliche Nachricht, ein Telefonanruf als Zeichen wahrer Anteilnahme sind wahrscheinlich angemessener und hilfreicher als ein einfaches „like“ oder ein kurzer öffentlicher Kommentar unter einem Post, vor allem, wenn einem dieser Mensch am Herzen liegt.

„Don’ts“: Wovon sollte man absehen?

    • Poste nichts, was dir vor deinen eigenen Kindern peinlich sein könnte. Das Internet vergisst nicht und auch in zig Jahren können deine Posts dich einholen bzw. verfolgen.
    • Keine Posts, wenn man emotional geladen ist; lieber eine Nacht darüber schlafen.
    • Großes Mitteilungsbedürfnis sollte sich nicht in zahlreichen wenig-relevanten öffentlichen Posts pro Tag widerspiegeln, das führt zu Überdruss und dazu, dass man uninteressant und geblockt wird.
    • Austragung von Konflikten, öffentliche Anklage, Drohungen und Diffamierungen haben auf Facebook nichts zu suchen. Eine neutrale, umfangreiche Darstellung des Sachverhalts erfolgt nicht, denn dies würde bedingen, dass sich auch der Betroffene im ursprünglichen Post zu Wort melden dürfte. Es ist zu beobachten, dass solche Posts in massiven Shitstorms enden, die für die Betroffenen zu einer großen (psychischen) Belastung werden können, da sie vorverurteilt werden ohne selbst zu Wort kommen zu können. Entsprechend sollte man diese Posts kritisch hinterfragen und davon absehen, solche Posts unbedacht zu teilen, zu kommentieren bzw. zu liken, denn eine individuelle Wahrheit ist nicht die Wahrheit schlechthin. Man sollte beide Seiten hören, bevor man ein Urteil fällt und sein „Like“ setzt.
    • Von versuchter Einflussnahme in Form von öffentlichen Posts bspw. auch bzgl. Produzenten-Entscheidungen, wenn auch latent verpackt, sollte man absehen.
    • Kontaktieren von Veranstaltern/Produzenten über Facebook: Wenn vorhanden, dann am besten immer auf die E-Mail Adresse schreiben, ansonsten erfragen.
    • Nachrichten auf Facebook mit Anrede und in ganzen Sätzen formulieren, nicht im Chat-Stil.
    • „Today you know you’ve pissed someone off, when they unfriend you on facebook“: Bei Nicht-Zustandekommen eines Vertrages oder Diskrepanzen/Unstimmigkeiten mit Veranstaltern, sollte sich Wut/Enttäuschung nicht in der Kündigung der Facebook-Freundschaft niederschlagen. Wahre Größe zeigt sich doch darin, wie souverän man damit umgeht, zumal es immer eine Saison nach der Saison gibt. Blocken wäre die Alternative.
    • Vorsicht mit politischen, religiösen Statements. Politisches Engagement in Ehren, aber auf plumpe Parolen kann man wahrlich verzichten und auch hier fallen undifferenzierte Aussagen auf die eigene Person zurück.
    • Unbedingt von Versendung von Spieleanfragen an Veranstalter, Agenten etc. absehen.

Steffi Haberl ist künstlerische Leiterin der Palazzo Produktionen GmbH
www.palazzo.org