Die Kunst des richtigen Internetauftritts

Von Patrick Ehrenwirth

Wie für jede Webseite gilt: Steckt ein wenig Zeit, Liebe und Geld in eure Homepage und haltet sie aktuell. Investiert in ein ansprechendes Design, ein paar schöne Fotos und zuallererst: in gute Videos, denn nur so kann sich ein Auftraggeber einen umfassenden Eindruck von eurem Talent verschaffen.
Versucht jede Disziplin, die ihr anbietet, auch mit einem Video zu „belegen“. Am besten eignet sich hierfür ein qualitativ hochwertiger Mitschnitt von einem Auftritt; gerade branchenfernen Agenturen oder Firmen, die nach fertigen Acts für Veranstaltungen suchen, könnt ihr so eine Idee davon vermitteln, wie eure Darbietung live und vor Publikum wirkt.
Falls ihr solches Material noch nicht habt, dann filmt euren Act während des Trainings und so nah an einer Auftrittssituation wie möglich, sprich als eine durchlaufende Aufnahme, keine Zusammenschnitte aus verschiedenen Sessions, mit Auf- und Abgängen und möglichst ohne andere Menschen im Hintergrund.
Achtet bei allen Videos darauf, dass ihr auch die entsprechenden Rechte habt, die unterlegte Musik in diesem Kontext verwenden zu dürfen. Sonst lächelt euch bald der GEMA Smiley entgegen.
Ein gut inszeniertes Showreel ersetzt zwar keine Komplettvideos von euren Acts, kann aber ein guter Teaser sein, um auf die Bandbreite eurer Skills aufmerksam zu machen. Gerade für Produktionsfirmen oder Theaterhäuser, die nach möglichst vielseitigen Künstlern für Showproduktionen suchen, sind solche Videos interessant. Außerdem seid ihr hier unabhängiger in der Auswahl der Musik und könnt die Szenen mit GEMA-freien Tracks unterlegen, die es auf Plattformen wie z. B. soundtaxi.net, beatsuite.com oder musicfox.com günstig zu kaufen gibt.

Neben guten Bewegtbildern ist ein – wie man so schön sagt: „aussagekräftiger“ online-CV der wichtigste Inhalt auf eurer Webseite. Listet in einem Menüpunkt alle eure Auftrittsstationen mit Städte- und Länderangaben chronologisch auf und aktualisiert diese regelmäßig. Ergänzt zu jeder Station, welche Acts ihr dort präsentiert habt. Sofern ihr berufsbezogene Preise oder Förderungen erhalten habt, erwähnt diese. Auch Auftritte im TV, Kino oder in Werbespots sowie Modeljobs sind relevant. Gebt auf jeden Fall an, auf welche Zirkusschule ihr gegangen seid und ggf. ob ihr bei bekannten Lehrern trainiert habt. Besonders für Showproduzenten ist es von Interesse, welche zusätzlichen Skills Ihr mitbringt: Tanzen, Singen, Schauspiel, Instrumente, Kampf- und Freizeitsportarten, effektvolle Tricks etc. Stellt sicher, dass ihr diese auch belegen könnt, etwa mit einem Gesangsdemo oder genauen Angaben zu eurer Tanzausbildung inklusive Tanzstil. Auch Informationen zu eurer Nationalität, zu Pässen und gültigen Visa und – falls ihr euch für Engagements auf Kreuzfahrtschiffen bewerben möchtet – ob und ggf. welches Seemannsbuch ihr habt, sind wichtig, wenn ihr international arbeiten wollt. Ebenso wie die Angabe, welche Fremdsprachen ihr beherrscht. Macht euren CV zusätzlich leicht zugänglich auf eurer Webseite verfügbar, etwa als download-pdf. Solltet ihr an ungewöhnlich großen oder aufwändig zu installierenden Apparaten auftreten ist es ratsam, gleich einen entsprechenden Technical Rider anzubieten.

Letzte Priorität: Achtet darauf, dass eure Kontaktdaten auf eurer Homepage leicht auffindbar und aktuell sind. Falls ihr anstelle einer E-Mail-Adresse und einer Telefonnummer ein Kontaktformular zur Kontaktaufnahme anbieten wollt, dann stellt sicher, dass Besucher hier mehr als 3 Sätze eintragen können und ihr diese Nachrichten auch regelmäßig checkt.

Wenn ihr diese drei Punkte bei der Erstellung eurer Webseite beachtet, macht ihr bestimmt schon viele potentielle Auftraggeber glücklich!

Sofern ihr an internationalen Engagements interessiert seid, solltet ihr eure Webseite mehrsprachig anbieten, natürlich abhängig davon, welche Sprachen ihr auf Arbeitsniveau beherrscht.

Schön finde ich eine Kurzbiografie auf der Startseite, die den Besucher willkommen heißt – ein paar Sätze, in denen ihr die Highlights eurer bisherigen Karriere hervorhebt und euch kurz vorstellt. Wenn ihr das sowie ein gutes Portraitfoto schon parat habt, freut sich mit Sicherheit auch die Presseabteilung eines jeden Theaters, in dem ihr auftretet!
Wenn ihr die entsprechenden Inhalte habt, ist auch eine „News“ oder „Presse“ Section zu empfehlen, denn so könnt ihr schnell über eure neuesten Projekte informieren und beim Besucher Interesse wecken. Auch hier gilt: immer aktuell halten und mit Content füllen. Eine veraltete oder leere „News“-Seite ist eher kontraproduktiv, dann lieber ganz darauf verzichten.

Darüber hinaus: bespielt mehrere Kanäle und verlinkt diese zu eurer Webseite. Betitelt Videos auf youtube oder vimeo nicht nur mit eurem Namen, sondern zusätzlich mit der Disziplin, die ihr im Video präsentiert (z. B. „XY – dance trapeze“). Fügt in der Beschreibung die URL eurer Homepage ein. Nicht wenige Produzenten recherchieren auch eigenständig auf youtube & Co nach Talenten – macht ihnen die Suche nach weiteren Infos und Kontaktdaten nicht unnötig schwer.

Zuletzt: Selbst eine noch so gute Webseite ersetzt nicht die aktive Bewerbung auf Ausschreibungen. Vermeidet es einen Einzeiler „Ich bin verfügbar, hier ist der link zu meiner Webseite“ zu schicken. Stellt euch kurz vor, geht auf die Inhalte der Ausschreibung ein, sendet Videolinks zu den gesuchten Acts mit, bietet ggf. weitere Disziplinen an und hängt euren CV als pdf an das Anschreiben an. Wenn dann noch eine ansprechende Homepage eure Bewerbung unterstützt, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Viel Erfolg!

Patrick Ehrenwirth war für die kanadische Zirkuskompanie „Les 7 doigts de la main / the 7 fingers“ als Company Manager tätig und betreute mehrere Jahre den Bereich Marketing und PR für die Produktionsfirma des CHAMÄLEON Theaters Berlin. Heute arbeitet Patrick Ehrenwirth als freiberuflicher Projektmanager, Marketing und PR Berater u.a. für die Agenturen battleROYAL und SLIKK showacts.