Anforderungen an 
Bildmaterial von Artisten

Von Florian Strohmaier

Vorab muss man leider sagen, dass es den einen Weg nicht gibt, den ein Künstler bei der Erstellung seines Bildmaterials gehen sollte. Dafür sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Disziplinen zu groß. Wenn man jedoch ein paar generelle Dinge beachtet, dann gehen die Ergebnisse aus Shootings schon in die richtige Richtung.

Welche Qualität müssen Bilder haben, um für die „Verarbeitung“ geeignet zu sein?
Dateiformat / Auflösung / Farbmodus: Ein Foto kann aus einer einigermaßen professionellen Kamera als RAW ausgegeben werden. Das ist ein Dateiformat, das nicht komprimiert, also nicht verkleinert oder optimiert ist. Ein RAW-Format ist jedoch im alltäglichen Einsatz meistens nicht notwenig. Statt dessen bekommt man normalerweise vom Fotografen JPGs von seinen Bildern. Diese haben in der Regel 72 dpi (gerne auch mehr), sind jedoch sehr groß und im Farbmodus RGB. Und genau diese Bilder sollte man zur Weiterverarbeitung weitergeben.

Farbig vs. Schwarz-Weiß: Nie ein Schwarz-Weiß-Bild aus einem farbigen Bild machen oder andere Filter über das Bild legen. Meistens entscheidet der Gestalter, welche Farbtonalität am besten zum restlichen Layout passt. Und ein natürliches, unverändertes Bild bietet die größten Möglichkeiten.

Komprimierung: Generell ist es so, dass man Bilder immer herunter rechnen kann. Also von groß nach klein oder von einer hohen Auflösung zu einer geringeren. Umgekehrt sollte man das vermeiden, da die Qualität sehr stark leidet.

Qualität: Man sollte sich die Bilder immer am Computer-Monitor ansehen und dabei auf 100 % vergrößern, um sehen zu können, ob und welche Teile des Bildes scharf sind. Die kleinen Monitore auf den Kameras können die Wahrnehmung täuschen. Die Schärfe eines Bildes ist meistens auch ein Qualitätskriterium. Allerdings gibt es die Möglichkeit Bilder nachträglich zu schärfen bzw. werden große Bilder selten mit ihrer vollen Größe in Websites oder Flyern eingesetzt, was ebenfalls die Schärfe erhöht.
Egal an wen man das Bild weitergibt, es sollte immer die maximale Auflösung haben. Der Gestalter, der mit dem Bild arbeitet, sollte in der Lage sein das Bild herunter zu rechnen – also zu verkleinern. Idealerweise erhält man vom Fotograf schon die verschiedenen Auflösungen.

Gibt es eine einfache Möglichkeit 
die Qualität von Bildern zu prüfen?
Die Dateigröße ist ein Anhaltspunkt. Je höher die Dateigröße desto besser ist die Auflösung. Ansonsten kann man die Bilder über ein normales Bildprogramm am Computer öffnen. Dabei kann man sich ansehen, welche Größe sie haben und ob beim zoomen die Schärfe erhalten bleibt. Darüber hinaus gibt es noch professionelle Bildbearbeitungsprogramme wie beispielsweise Photoshop (PC und Mac) oder Affinity Photo (nur Mac).

Worauf kann oder sollte man bei einem Shooting 
von Bildern achten?
Bei einem Shooting ist entscheidend, dass das, was der Künstler macht, auch abgebildet wird. Ein Chinese Pole Act sollte also am Pole fotografiert werden, am besten in Bewegung, das sorgt für Spannung und transportiert am ehesten den Act.
Was aber oft dabei vergessen wird ist das Licht. Daher nutzen wir am liebsten Live-Bilder. Da bei Live-Aufnahmen meistens kein Blitz verwendet wird, sind die Bilder vielleicht nicht so detailreich oder scharf wie bei Studioaufnahmen. Dafür zeigen sie unterschiedliches Licht aus verschiedenen Richtungen und im besten Fall noch etwas Nebel aus der Nebelmaschine, der das Licht eher diffus werden lässt. So lassen sich die besten Stimmungen erzeugen.

Gestalter brauchen „Fleisch“: Grundsätzlich sollte man Bilder nicht selbst zu- oder beschneiden, sondern immer das Format behalten, dass der Fotograf ausgibt. Für den Umgang mit Bildern ist es wichtig, dass man an den Bildern genug „Fleisch“ hat. Das bedeutet, dass um das Hauptmotiv genug Platz ist, da man nie weiß, ob das Bild im Hoch- oder Querformat eingesetzt wird. Und wenn man an den Rändern noch ausreichend Platz hat, hat man als Gestalter mehr Möglichkeiten, den Künstler besser in Szene zu setzen bzw. das Optimum aus dem Bild herauszuholen. Natürlich braucht man von sich auch immer das eine oder andere Portrait-Bild, bei dem natürlich das Foto mehr ausgefüllt ist, aber auch hier sollte man den Künstler vorab nirgendwo anschneiden. Das Schlimmste für einen Gestalter ist es, im Nachhinein noch Haare, Ohren oder Finger anzusetzen bzw. nachzubauen oder nicht die Möglichkeit zu haben das Bild selbst anzuschneiden.

Eine Bildaufteilung, die für alle verschiedenen Arten von Künstlern gut aussieht gibt es eigentlich nicht. Das hängt auch stark vom Act ab. Manchmal kann es bei Live-Bildern von Vorteil sein, dass man das Publikum sieht. Dann geht man eher in die Totale – sprich, der Act ist zwar im Fokus, aber es passiert viel darum herum. Bei anderen Acts sind Aufnahmen von Vorteil, die nur den Künstler zeigen. Die Bildaufteilung beeinflusst der Gestalter am Ende meist selbst – dafür braucht man dann aber auch das vorher erwähnte „Fleisch“, also den Spielraum.
Erwähnenswert sind noch die Proportionen oder Verhältnisse – sprich, wie hoch befindet sich der Akteur an der Pole oder auf dem Trapez bzw. wie viel Abstand ist zwischen Bühne/Boden und dem Künstler. Das gibt dem Betrachter die Möglichkeit, den Act in Relation zu seiner Umgebung zu setzen.

Was ist besser: Bilder aus dem Studio oder Livebilder?
Wenn man die Möglichkeit hat, live fotografiert zu werden, dann würde ich Live-Bilder immer bevorzugen. Vorausgesetzt, man hat einen Fotografen, der auch damit umgehen kann. Denn Live-Aufnahmen werden meistens ohne Blitz gemacht und man hat nicht die Zeit, sich auf ständig ändernde Lichtverhältnisse einzustellen oder eine Einstellung zu wiederholen. Aber Live-Aufnahmen bringen meistens eine wärmere, natürlichere Stimmung rüber als reine Studioaufnahmen. Aber natürlich hat man diese Möglichkeit nicht immer. Und dann sollte man im Studio so nahe wie möglich an die Live-Performance herankommen.
Wovon ich generell eher abraten würde, sind reine Portrait-Aufnahmen für „Action“-
Acts. Aber auch Künstler, die im Comedy-Bereich arbeiten, wirken bei der Arbeit auf der Bühne einfach authentischer.

Worauf sollte man bei den Bildrechten achten?
Man sollte mit einem Fotografen vorab besprechen, ob dieser alle Rechte (bspw. Urheberrecht, Vervielfältigungsrecht etc.) an dem Bild dem Künstler gegenüber abtritt. Das sollte man sich anschließend auch immer schriftlich bestätigen lassen. Die Dauer der Nutzung der Bilder sollte ebenfalls unbegrenzt sein. Andernfalls hätte der Fotograf nach beispielsweise einem Jahr die Möglichkeit, Geld für die weitere Nutzung zu verlangen.
Immer häufiger wollen Fotografen einen Foto-Credit, also einen Textzusatz beim Bild, der den Namen des Fotografen zeigt. Auch das würde ich mir vertraglich zusichern lassen, dass das nicht geschehen muss. Denn den Platz in der Gestaltung dafür zu finden, ist nicht immer einfach, könnte störend wirken oder u.U. den Gestalter davon abhalten, das Bild zu nutzen.
Hier ein guter Link dazu: www.photoscala.de/Artikel/Das-Recht-am-Bild

Florian ist als Grafiker/Kreativdirektor bei einer Agentur in Nürnberg und auch freiberuflich tätig.
Die Agentur Gramming Fellows&Friends, kümmert sich ganzheitlich um das regionale Management von Alexander Herrmanns PALAZZO in Nürnberg. Darüber hinaus sind sie für das Marketing aller PALAZZO-Standorte verantwortlich und sind federführend, was das Corporate Design betrifft.

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