Als Artistin beim „33. Festival Mondial du Cirque de Demain“ 2012

Ein Erfahrungsbericht von Iris Pelz (Duo Chris Iris)

Noch bevor ich etwas mit Zirkus zu tun hatte, habe ich schon das Festival „Cirque de Demain“ im Fernsehen angeschaut. Ich bewunderte die Artisten, die unglaubliche und unerreichbare Fähigkeiten zu haben schienen und Calixte de Nigremont, den Conférencier.

© Max Eicke

Duo Chris Iris © Max Eicke

Einige Jahre später war ich auf der Artistenschule in Tilburg (Niederlande). Jedes Jahr Ende Januar fuhren wir mit der ganzen Schule nach Paris um das Festival anzuschauen. Es war ein spannendes Erlebnis für mich, selbst im Publikum dabei zu sein.
Zum Ende unserer Artistenschulzeit begannen mein Partner Chris (Christopher Schlunk) und ich festzustellen, dass das, was die Hand auf Hand Duos dort zeigten gar nicht so weit davon entfernt war, was wir gerade trainierten.

Nach unserer Abschlussvorstellung an der Artistenschule kam Pascal Jacob (Künstlerischer Leiter des Festivals) auf uns zu und ermutigte uns eine Bewerbung an das Festival zu schicken.
Einige Zeit später bekamen wir die Nachricht, unsere Nummer dort zeigen zu dürfen. Wir freuten uns sehr und waren stolz, wussten aber auch, dass viel Stress und Arbeit auf uns zukommen würde. Wir hatten die Nummer die wir dort spielen sollten erst ein paar Mal bei Schulauftritten und dem „Young Stage“ Festival gespielt. Daher waren wir nicht sicher, ob wir für ein so großes Festival schon bereit waren.

In der Zeit vor dem Festival spielten wir in London mit „La Soiree“ eine andere Nummer und mussten so nebenher für den Auftritt in Paris trainieren, was sehr anstrengend war.
Wir wußten, dass unser technisches Können auf einem guten Niveau war, hatten aber Bedenken, da unsere Nummer etwas experimenteller ist als das, was man sonst so sieht. Wir spielen ganz ohne Musik und sprechen in kurzen Kommentaren darüber, was Hand auf Hand für uns bedeutet. Hinzu kam das sprachliche Problem. Für das Festival wollten wir, dass uns sowohl das internationale als auch das französische Publikum versteht. Also entschieden wir uns sowohl englisch als auch französisch zu sprechen. Mittlerweile haben wir die Nummer auf sieben Sprachen gespielt, beim „Nikulin Zirkus Festival“ in Moskau sogar auf russisch.

Wir wussten, dass unsere ganze Schule, wie auch einige andere Artistenschulen im Publikum sein würden. Dies war eine große Unterstützung, gleichzeitig aber auch ein Grund zu noch größerer Aufregung. Großartig war, dass Lisa Rinne, eine sehr gute Freundin und Klassenkameradin, auch auftreten würde.
Für mich war es spannend Calixte, den Moderator, den ich vor langer Zeit schon im Fernsehen gesehen hatte, jetzt selbst kennen zu lernen.

Die Gruppe der Artisten, die beim Festival auftritt ist sehr groß und die Probenzeit sehr kurz, sodass man kaum eine Chance hat alle anderen Artisten kennen zu lernen. Dies war bei kleineren Festivals anders, bei denen mehr Zeit und Raum war, neue Bekanntschaften zu schließen.
Ich glaube, ich war nie so aufgeregt vor einer Show wie kurz vor dem Auftritt in Paris. Ich war am meisten nervös, technische Fehler zu machen, also die Tricks nicht sauber zu turnen, da so viele Profis aus der Zirkusszene im Publikum waren.
Die Bühne ist so riesengroß, dass ich mich fast alleine fühlte, trotz der unglaublich vielen Leute die zuschauten.
So richtig genießen konnte ich erst die Gala Show, die nach den Wettbewerbsshows stattfindet und nicht mehr von der Jury beurteilt wird.

© Wybren Wouda

Duo Chris Iris © Wybren Wouda

Bei der Preisverleihung wurde es dann noch mal richtig spannend, viele Sonderpreise wurden vergeben, aber wir bekamen erstmal nichts. Dann wurden die Medaillen verteilt und ich bekam langsam feuchte Hände. Wir bekamen die Silbermedaille, worüber ich mich natürlich riesig freute.

Es war spannend, zwei Jahre später als Zuschauer zurück zu kommen. Als ich ankam wurde ich von den Plakaten mit unserem Bild darauf überall in der Stadt empfangen.
Die Zirkuswelt ist so klein, dass ich meistens ein paar Artisten kennen, die auf dem Festival spielen. Es ist ein großer Treffpunkt für alle möglichen Menschen, die auf verschiedene Weise mit Zirkus zu tun haben. Ich denke ich werde auch in Zukunft versuchen dort zu sein um Leute zu treffen, die ich lange nicht gesehen haben und natürlich um mit den Artisten auf der Bühne mitzufiebern und die neuen Nummern zu sehen.

Wenn man beim Festival in Paris gespielt hat, ist man in der Szene bekannt. Das ist für viele Bewerbungen hilfreich. Man kann schon vor Ort Kontakte knüpfen aus denen dann teilweise Engagements entstehen.

Beim Festival „Cirque de Demain“ auf der Bühne zu stehen war lange ein Traum für mich, der dann in Erfüllung ging. Es war aufregend und anstrengend aber hauptsächlich eine besondere und tolle Erfahrung, über die ich sehr froh bin, sie gemacht zu haben.

Mehr über Chris Iris:
www.chris-iris.com
http://www.youtube.com/watch?v=g5SL7Lw3gk4

Unser Interview mit Pascal Jacob, Künstlerischem Leiter des Cirque de Demain, könnt ihr hier lesen.